Russlandtour 2015

Liebe Motorradreisefans!

Am 28. April diesen Jahres feierten wir unsere Silberhochzeit.

Seit Langem reifte in uns der Wunsch, unseren Silberhochzeitssegen von dem Geistlichen zu empfangen, der uns auch getraut hat. Da unser damaliger Kaplan Clemens Pickel seit 1998 Bischof in Russland ist, möchten wir das Abenteuer, mit den Motorrädern an die Wolga zu reisen, wagen. Mit Hilfe unserer Silberhochzeitsgäste, Freunde und Nachbarn konnten wir für das Bistum St. Clemens im russischen Saratow die stolze Summe von 2.500,- € zusammentragen! Dafür herzlichen Dank! Am 17. Juni werden wir uns nun auf den Weg an die Wolga machen und Bischof Clemens Pickel das Geld für die vielen alltäglichen Probleme im Bistum zur Verfügung stellen. Im Beitrag des MDR „Der gute Mensch von Saratow“ wird eindrucksvoll dargestellt, wie schwierig sich das Leben in dieser Wolgaregion gestaltet.

 

 

Die geplante Tour über ca. 6000 km (klick auf das Bild um zu vergrößern)

Wer unsere Reise verfolgen möchte, kann uns nach unserer Abfahrt auf dieser Seite virtuell begleiten. Wir versuchen unseren Reisebericht mit Text und Fotos täglich zu aktualisieren!

 

Viel Spaß beim Lesen und bis bald!

Daniela und Michael

Tourtagebuch

17.06 2015  Räckelwitz - Leschnitz (PL)  360 km

 

Seit heute morgen um 10.00 Uhr sind wir nun auf Tour in Richtung Osten. Auf unseren gut bepackten Maschinen erreichten wir nach ruhiger Fahrt, bei bestem Bikerwetter gegen 18.00 Uhr Leschnitz in Oberschlesien, wo mein Vater Waldemar Schlappa vor fast 79 Jahren geboren wurde. Nach kurzer Ahnenforschung auf dem Ortsfriedhof, einem kleinen Stadtrundgang, bei dem wir noch Bekannte besuchen, speisen wir mit unserer Leschnitzer Freundin Henia sehr lecker im ersten Restaurant am Platze. Jetzt ist es 23.30 Uhr und todmüde fallen wir nun in unsere Betten, die in der

Pilgerherberge (sehr solide) auf dem St. Annaberg stehen.

18.06.2015  Leschnitz (PL) - Opatow (PL)  270 km

 

Nach gutem Frühstück aus der Klosterküche starten wir ca. um 10.00 Uhr unsere Motorräder und es geht weiter ostwärts. Durch einen Zwischenstop in Leschnitz, wo wir bei Henia noch mit leckerem Kuchen für die Fahrt versorgt werden, kommen wir erst gegen halb zwölf so richtig in die Spur. Das Wetter ist die ganze Fahrt über gut (kein Regen und nicht zu warm). Die Strecke zieht sich unspektakulär durch kleine Dörfer und viele Wälder bis wir gegen 18.00 Uhr das Städtchen Opatow erreichen. Wir finden es ganz nett und beschließen hier über Nacht zu bleiben. Morgen geht es dann in die Ukraine.

 

19.06.2015  Opatow (PL) - Koval (UA)  260 km

 

Eigentlich wollten wir das gute Hotel in Opatow heut morgen überhaupt nicht verlassen. Denn Regen und 13°C sind nicht des Bikers Traumwetter. Aber wir wollen weiter und deshalb geht es um ca. 10.00 Uhr wieder auf die Strecke. Bei Dauerregen kommen wir 15.00 Uhr an der ukrainischen Grenze an. Obwohl wir uns an der etwa fünf Kilometer langen Autoschlange vorbeimogeln, dauert das ganze Prozedere immer noch knapp zwei Stunden. Durch die Begegnung mit der Bikertruppe von Game Over Cycles, die zu einem Motorradtreffen unterwegs ist, vergeht die Zeit aber recht schnell. Leider können wir ihre Einladung zum Mitkommen nicht annehmen, da der Umweg zu groß wäre und wir sowieso schon unserem Zeitplan hinterher sind. Um 18.00 Uhr steigen wir im Hotel Zolota Pidkowa im ukrainischen Koval ab und mit einem guten Abendessen geht ein weiterer Reisetag viel zu schnell vorbei.

20.06.2015  Koval (UA) - Kiew (UA)  450 km

 

Wir freuten uns heut morgen, dass wir es geschafft hatten, schon um 8.00 Uhr zu frühstücken, bis uns auffiel, dass nur unsere Uhren diese Zeit anzeigten. Die Ukraine ist eine Stunde weiter. Na toll! Wieder kommen wir erst nach zehn los. Dafür ist das Wetter super und die Strecke schnurgerade. Fast gelangweilt rollen wir mit gleichbleibenden 90 km/h bis Kiew durch (natürlich mit Pausen). Gegen 17.15 Uhr mieten wir uns im Hotel „Ukraina“ direkt am Maidan Platz ein. Nach kurzem Frischmachen geht es gleich los Kiew zu bestaunen, eine tolle Stadt, die heute irgend etwas feiert. Überall gibt es Aktion, Musik, viele Leute und das bei 26°C + blauem Himmel. Bis 22.00 Uhr halten wir mit, dann ist es genug und wir fallen müde in die Betten.

 

21.06.2015  Kiew (UA) - Konotop (UA)  245 km

 

Nach einem erholsamen Schlaf und einem guten Frühstück starten wir erst 12.00 Uhr. Auf der Fahrt durch Kiew wird uns noch einmal die Schönheit der Stadt bewusst. Leider war unser Aufenthalt zu kurz, aber vielleicht klappt es ja irgendwann noch mal mit einem Besuch. Auf der M1 geht es am verstrahlten Gebiet um Tschernobyl vorbei immer geradeaus in Richtung russische Grenze. Nach ca. 200 km biegen wir von der großen Straße ab und wollen in einer 30 km entfernten Kleinstadt übernachten. Diese wenigen Kilometer werden zur echten Herausforderung (Straße ist eine Katastrophe) Auch die Stadt ist nicht gerade die Wucht, aber das Hotel ist okay und die Köchin ist genial. Wir werden rundum verwöhnt mit ukrainischen Spezialitäten. Morgen wartet die russische Grenze auf uns, wir sind gespannt, was uns da erwartet.

 

22.06.2015  Konotop (UA) - Kursk (RUS)  278 km

 

Vor lauter Lampenfieber haben wir beide schlecht geschlafen. Dann gab es auch noch Unklarheiten mit unserem eigentlich gebuchten Frühstück. Zum Glück gab es noch einen Kaffee in der benachbarten Bar, dann sind wir los (ca. 10.00 Uhr). So wie die gestrige Fahrt straßentechnisch endete, so beginnt die heutige. Nach reichlich 50 km erreichen wir die Hauptstraße und recht schnell sind wir im letzten größeren Ort vor der Grenze. Auf der Suche nach Brot treffen wir auf den freundlichen Oleg (Bild), der uns spontan zu einem Kaffee einlädt und uns auch noch ein Brot kauft. Er nennt das Präsent, für uns ist das Gastfreundschaft pur. Eine viertel Stunde später sind wir an der Grenze, und nach dreißig Minuten zwei mal fünf Dollar und unser restliches Ukrainegeld los, und die russische Grenzkontrolle kommt erst noch. Doch wir werden überrascht, wie proffessionel und zügig trotz einiger Stationen alles abläuft. Nach knapp zwei Stunden rollen wir durch die letzte Schranke. Während einer kurzen Rast hält ein russischer Transporter an. Ein kräftig gebauter Typ stellt sich als Mitglied eines Motorradklubs vor und bittet uns, bei ihm zu übernachten. Aber wir wollen heut noch bis Kursk kommen und können das Angebot leider nicht annehmen. Nun sitzen wir im Biergarten am Hotel und werden von unsere Tischnachbarn zum Wodka eingeladen. Und Schaschlyk zum Probieren gibt’s noch dazu. Was für ein Land!

 

P.S. Danke Bischof Pickel für den Blogeintrag vom 18.06.2015 auf kath-ru.blogspot. Das freut uns sehr!

 

 

23.06.2015  Kursk (RUS) - Woronesch (RUS)  230 km

 

Der zweite Tag in Russland beginnt einfach super. Gut ausgeschlafen (ohne Wodkakopf) wachen wir gegen 8.30 Uhr in unserem 1A Hotelzimmer auf und bekommen doch das Frühstüch direkt ans Bett geliefert. Lecker Eiomlett mit Schinken, Tomate und Lauch dazu guten Kaffee und je drei kleine Plinse mit Sauerahm. Genial! Trotzdem müssen wir los und starten gegen zwölf Uhr. Die heutige relativ kurze Etappe hat es aber dann ganz schön in sich. Erstmal quer durch Kursk, dann ewig lange Baustellen (der Verkehr rollt bei vollem Baubetrieb) und dazu noch 28 – 30°C + ab und an ein wenig Regen. Gegen 17.00 Uhr kommen wir dann völlig durchgeschwitzt und genervt in Woronesch an. In einem Maxihotel (das schon bessere Zeiten hatte) mitten im Zentrum steigen wir ab, nehmen ein Bier und eine Dusche und schon ist alles wieder okay. Bei einer kurzen Stadtvisite finden wir ein schönes Straßenrestaurant und essen wieder einmal sehr gut. Heute soll es nicht so lange gehen, denn morgen wollen wir es bis Wolgograd (574 km) schaffen um uns dort mindestens einen Tag Fahrpause zu genehmigen.

 

P.S. Liebe Stephanie, alles Gute zu deinem Geburtstag und noch einen schönen Urlaub!

 

24.06.2015  Woronesch (RUS) - Wolgograd (RUS)  584 km

 

Warm und laut war die Nacht in Woronesch. Wir haben deshalb nicht gut geschlafen, aber umso besser gefrühstückt. Halb zehn rollen wir vom Hotelparkplatz und machen noch eine ungewollte Stadtrundfahrt, weil TomTom einige Einbahnstraßen nicht kennt oder die hiesigen Verkehrsplaner umgeplant haben. Auf der Strecke läuft es erstmal gut an, wird später aber immer ungemütlicher. Erst fahren wir statt Richtung Osten fälschlicherweise nach Rostov a. Don. Diesmal passt unser Navi aber auf und sagt uns nach 8 km, dass da etwas nicht stimmt. Dazu begleiten uns Baustellen fast ständig und bis zum Nachmittag haben wir Dauerregen. Ab 16.00 Uhr haben wir keinen Regen mehr, dafür steigen die Temperaturen. Bis 35°C zeigen unsere Bordthermometer an und die Baustellen wollen nicht aufhören. Stellenweise geht es nur mit Tempo 40 vorwärts, manchmal stehen wir auch. Irgendwie mag das Danis Motorrad nicht so und geht öfters einfach mal so aus, springt dann nach einigen Sekunden aber wieder an. Komisch! Nach knapp elf Stunden Fahrzeit sind wir kurz vor Wolgograd und es fängt kräftig an zu gewittern. Die Stadt empfängt uns nachtdunkel und mit Blitz und Donner. Es wird merklich kälter und Danis BMW geht’s auch gleich wieder viel besser. Gegen 21.00 Uhr checken wir im hübschen Holzhotel „Hutorok“ ein. Nach diesem ereignisreichen Tag machen wir morgen erst mal Fahrpause und schauen uns in Ruhe Wolgograd an.

 

P.S. Lieber Peter, herzliche Geburtstagsgrüße von uns Beiden!

 

25.06.2015  Wolgograd (RUS)  ca. 25 km Taxi

 

Heute an unserem „freien“ Tag haben wir wunderbar klimatisiert ausgeschlafen. Nach dem Frühstück haben wir noch einmal mit unserem privaten Stadtführer Vasily Verbindung aufgenommen um Wolgograd richtig kennen zu lernen. Der Kontakt mit Vasily kam durch Friedhelm Lange (Danke an dieser Stelle für deine hilfreichen Tips und Empfehlungen) zu Stande, der Russland mehrere Male mit dem Motorrad bereiste und auch schon zu Gast bei Bischof Clemens Pickel in Marx war. Leider mußte heute Vasily an der Rezeption im Hotel Intourist arbeiten, aber er vermittelte uns seine Kollegin Galina, die eine super Stadtführerin war. Es machte uns großen Spaß mit ihr im Taxi durch Wolgograd zu fahren und die geschichtsträchtigen Stätten erklärt zu bekommen. Mit großem Sachverstand und Hintergrundwissen lies sie uns in die Geschichte eintauchen und führte uns die schrecklichen Kriegsereignisse um die Schlacht von Stalingrad vor Augen. Danke Galina für diese unvergesslichen Stunden. Wettertechnisch war der Tag heute super. Super, wenn man am Strand liegt und baden gehen kann. Es war unheimlich heiß und eigentlich kein Stadtwanderwetter. Jetzt im klimatisierten Hotelrestaurant bei gutem Essen und kühlem Bier sind wir froh diesen langen Weg über Wolgograd genommen zu haben. Wir finden, dieser Tag an diesem Ort hat uns viel gegeben. Morgen geht es weiter nach Saratow, dem eigentlichen Ziel unserer Reise.

 

P.S. Liebe Tourtagebuchleser, wenn ihr uns schreiben wollt, bitte nicht über die Mailadresse von der Bäckerei! Bitte benutzt unsere Reise-Mailadresse d.m@baeckerei-schlappa.de Vielen Dank!

 

26.06.2015  Wolgograd (RUS) - Saratow (RUS)  375 km

 

Nach unserem Ruhetag steigen wir gegen 10.00 Uhr wieder auf unsere Motorräder und rollen entlang der Wolga in Richtung Saratow. Die Hoffnung, dass es mit den Temperaturen bergab gehen würde, wenn wir nach Norden fahren, bestätigte sich leider nicht. Bei 32°C in Wolgograd (früh um zehn!) starten wir und um die Mittagszeit (nach ca. 150 km) haben wir schon 37°C auf der Cockpitanzeige stehen. Die karge Steppenlandschaft, die immer mal auftauchende Wolga und ab und an einzelne Siedlungen sind eigentlich das einzig Schöne an dieser Etappe. Die große Hitze, die Danis Motorrad wieder gar nicht schmeckt und der viele Verkehr auf der teils sehr schlechten Straße, machen dem Bikerherz wenig Freude. Trotzalledem können wir gegen 17.00 Uhr überglücklich das Zielfoto am Ortseingangsschild von Saratow schießen. Die Fahrt durch die Stadt bis zu unserem Hotel, das unmittelbar am Wolgaufer steht, ist nochmals eine ziemliche Tortur. Schließlich ist Freitagnachmittag und alle, die ein Auto haben, sind wahrscheinlich auf den Straßen der Stadt unterwegs. Gegen 18.30 Uhr sind wir endlich geduscht und halbwegs klimatisiert. Zur Abendmesse in der Kathedrale schaffen wir es leider nicht mehr, machen uns aber trotzdem auf den Weg das Gotteshaus aufzusuchen. Gegen um sieben haben wir die Kirche erreicht und laufen Bischof Clemens Pickel direkt über den Weg. Nach kurzer Begrüßung müssen wir uns aber schon wieder trennen, wir treffen uns ja später noch in Marx. Während der Kathedralbesichtigung haben wir noch ein nettes Gespräch mit einer Ordensschwester und setzen anschließend unsere Stadtbesichtigung entlang des Wolgaufers fort. Wir suchen uns in einem der unzähligen Restaurants entlang der Uferpromenade einen schönen Platz mit tollem Ausblick auf den Fluß und beschließen den Tag mit einem leckeren Abendessen. Morgen freuen wir uns auf Marx.

 

27.06.2015  Saratow (RUS) - Marx (RUS)  57 km

 

Den Tag beginnen wir gegen 9.30 Uhr mit einem gemütlichen Frühstück auf der Sonnenterasse im Hotelrestaurant am Wolgaufer. Wir genießen den tollen Ausblick und die Ruhe, denn die Stadt scheint noch zu schlafen (hat sie doch gestern Nacht lange genug gefeiert). Gegen zwölf Uhr haben wir unsere Motorräder bepackt und rollen über die ca. 3 km lange Wolgabrücke in Richtung Marx. Auf den kleinen Inseln, die wir im Fluß entdecken, tummeln sich hunderte Badelustige. Bei schon wieder 32°C ist das auch das Beste, was man machen kann. In Engels, der erste Ort am anderen Ufer, schickt uns unser Navi in eine Einbahnstraße und findet partout keinen anderen Weg. Zum Glück hilft uns ein Jeep-Fahrer, fragt, wo wir hin wollen und lotst uns aus der Stadt. Danke! Um 13.00 Uhr stehen wir in Marx vor der Kirche und finden umgehend Einlass ins „kleine katholische Dorf“. Wir werden von Bischof Clemens Pickel willkommen geheißen, dürfen im Gästezimmer einziehen, duschen kurz und werden durch die schöne Anlage geführt. Im Auto der Klosterschwestern erkunden wir mit dem Bischof alte deutsche Dörfer oder das, was von diesen noch geblieben ist. Die Lebenssituation der Menschen die hier wohnen ist für einen, der es nicht mit eigenen Augen gesehen hat, nur schwer vorstellbar. Auf dem Rückweg nach Marx besuchen wir eine deutschstämmige Frau. Bischof Pickel nennt sie liebevoll „Tante Beate“. In gutem Deutsch werden wir begrüßt und zu Tee, Eis, frisch gebackenen Plinsen und allerlei anderen Köstlichkeiten eingeladen. Ablehnen wird nicht akzeptiert, also heißt es hinsetzen, essen und plaudern. Alte Geschichten machen die Runde, es wird gelacht und natürlich gut gegessen und getrunken. Herzlichen Dank für so viel Gastfreundschaft, wir haben uns sehr wohl gefühlt. Nach einer Stunde sitzen wir wieder im Auto und es geht zurück zur Kirche. Im Pfarrhaus wartet schon ein leckeres Abendbrot auf uns bei dem wir uns gut unterhalten und mit Bischof Clemens Pickel im wahrsten Sinne des Wortes über Gott und die Welt reden. Gegen 21.00 Uhr gehen wir nochmal rüber ins Kloster um den Ablauf des morgigen Tages zu bereden. Natürlich kommen wir auch hier nicht so schnell weg, reden mit Schwester Helena übers Brotbacken,  trinken guten, selbstgemachten Kirschmost und haben allerlei Spaß. Nach halb zehn trennen wir uns für heute und verabreden uns für morgen zur Messe in der Kirche.

28.06.2015  Marx (RUS) - Penza (RUS)  290 km

 

Mit einem schönen, sonnigen Morgen beginnt der Tag in Marx, welcher der Höhepunkt unserer Reise werden soll. Nach einem unterhaltsamen Frühstück mit Schwester Marina und drei der Jugendlichen, die im „kleinen katholischen Dorf“ ein zweites Zuhause gefunden haben, ist es nun soweit. Halb zehn rufen die Kirchenglocken zum Gottesdienst. Die Messe wird für uns zu etwas ganz besonderem. Nach über 3.000 km Motorradfahrt hier her, von „unserem“ Bischof den Silberhochzeitssegen zu bekommen, der uns als Kaplan vor 25 Jahren getraut hat, in einer Messe, in der auch noch ein Kind auf den Namen Danil getauft wird, ist für uns eine große Sache. Eigentlich fällt es uns schwer, all das in Worte zu fassen. Deshalb verweisen wir auf den Blogeintrag von heute auf der Bischofsseite.

Danach sind wir von den Ordensschwestern zum „Silberhochzeitsessen“ ins Kloster eingeladen. Dort überraschen sie uns nach dem Tischgebet mit einem Geschenk und einem Ständchen, was uns sehr rührt. Geimeinsam mit Bischof Clemens Pickel, Pater Tomasz und Seminaristen Denis bekommen wir von den zehn Schwestern ein Drei-Gänge-Menü der Extraklasse serviert. Das war richtig lecker! Herzlichen Dank dafür! Diese Tage in Marx bleiben für uns unvergesslich!!!

Trotz der Hitze und des schweren Abschieds starten wir um 15 Uhr mit unseren Motorrädern in westliche Richtung. Die ersten 100km ist es noch sehr heiß (35°C) und schwül. Dann kommen wir in ein Gewitter, wie wir es noch nie erlebt haben. Um uns kracht und blitzt es. Hagel- und Starkregenschauer begleiten uns bis zu unserem Tagesziel. Nun (20.30 Uhr) hängen unsere Motorradsachen in der Dusche und tropfen vor sich hin.

 

29.06.2015  Penza (RUS) - Ryazan (RUS)  417 km

 

Nach dem spärlichen Frühstück im „ Arthotel Penza“, das innen nicht hielt, was es von außen versprach, brechen wir bei gutem Fahrwetter gegen 11.00 Uhr auf. Der Regen hält sich weitestgehend zurück. Nur wenige Tropfen fallen vom Himmel. Es ist aber merklich kälter geworden. Stellenweise haben wir nur noch 13°C. Bis auf einige kurze Staus geht es gut voran und so erreichen wir ca. 19.00 Uhr ein kleines Hotel zweihundert Kilometer vor Moskaus Stadtzentrum. Zum Glück haben wir unterwegs schon gegessen, denn hier hat heute die Küche geschlossen. Einen guten Tropfen Wein gibt’s aber in der Minibar, den werden wir uns noch genehmigen, bevor wir zeitig zu Bett gehen wollen. Unser Plan ist gegen 2.00 Uhr aufzubrechen um bei wenig Verkehr Moskau zu durchfahren. Wenn das gut geht, kommen wir vielleicht ohne Stress durch die 10 Millionen Metropole.

30.06.2015  Ryazan (RUS) - Mozhaysk (RUS)  317 km

 

So, wie wir es uns vorgenommen hatten, stehen wir heute gegen halb zwei auf (haben aber kaum geschlafen), frühstücken gleich auf dem Zimmer und sind um 2.00 Uhr auf den Motorrädern. Das Wetter ist super (kein Regen, ca. 15°C) und die Straßen sind so gut wie leer. Als wir Moskau erreichen (so gegen 4.30 Uhr) ist es schon relativ hell. Es macht richtig Spaß bei so wenig Verkehr in einer Weltstadt von der Größe unterwegs zu sein. Auf uns macht Moskau einen sehr guten Eindruck. Alles kommt uns sauber und aufgeräumt vor. Fast alle Gebäude, die wir sehen, sind in einem sehr guten Zustand und selbst die Grünanlagen der Parks und an den Straßenrändern sind sehr gepflegt. Auch die Straßen selber, die wir fahren, sind 1A und super ausgeschildert. So erreichen wir um fünf Uhr den Roten Platz. Erst kommen wir aus dem Staunen nicht mehr heraus (so schön haben wir uns den wirklich nicht vorgestellt!) und dann sind wir aber auch mächtig stolz, dass wir es wirklich geschafft haben mit unseren Bikes bis an den Kreml zu fahren. Kurzentschlossen drücken wir einer jungen Polizistin, die hier so früh schon ihren Dienst tut, unseren Fotoapparat in die Hand und sie knipst (wie ein Profi) das Erinnerungsfoto. Sie ist wirklich nett, fragt uns noch woher und wohin, staunt über unsere lange Reise und wünscht uns alles Gute für den weiteren Weg. Gegen 6.00 Uhr nehmen wir in einer naheliegenden Tankstelle unser zweites Frühstück ein und machen uns anschließend schleunigst aus der Stadt. Denn diese erwacht so langsam und die Straßen füllen sich zusehends. Als wir eine Stunde später schon ein Stück weit weg vom Zentrum sind, staut sich der Verkehr stadteinwärts gewaltig an. Gut, dass wir hier raus sind. Vormittags um halb zehn finden wir 120 km südöstlich von Moskau ein Hotelzimmer und holen erst einmal unseren fehlenden Nachtschlaf nach. Zur Kaffeezeit sind wir wieder fit und füllen im benachbarten MAGAZIN unseren Reiseproviant auf. Nun haben wir Zeit zum Gepäckordnen, Wäschewaschen, Beantworten der E-Mails und Planen der Weiterreise. In der gegenüberliegenden Bar gibt es zum Abschluss des Tages ein gutes Abendbrot mit Feierabendbier :)

 

01.07.2015  Mozhaysk (RUS) - Velikiye Luki (RUS)  391 km

 

Heute haben wir ideales Reisewetter. Als wir 9.45 Uhr, nach einem kleinen Zimmerfrühstück starten, sind es 22°C bei leicht bewölktem Himmel. Die ersten hundert Kilometer sind Fahrspaß pur. Auf guten, kleinen, wenig befahrenen Straßen geht es durch schöne Landschaften mit interessanten Dörfern. Leider ist das aber nur das erste Viertel unserer heutigen Tagesetappe so. Den größeren Teil legen wir auf der schnurgeraden M9 in Richtung russisch-lettische Grenze zurück. Die Fahrbahn ist zwar gut, die Landschaft auch recht nett, aber langweilig wird das mit der Zeit trotzdem. Ein kleiner kräftiger Regenschauer bringt noch etwas Abwechslung, bis wir dann endlich im recht passablen Motel Podvorye bei Velikiye Luki absteigen. Wir bekommen hier ein Zimmer in einer Reihenhäuschenanlage, wo wir die Motorräder direkt vor der Haustür parken können. Das angrenzende Restaurant sieht auch ganz gut aus. Das werden wir jetzt sofort und ausgiebig testen, wir haben nämlich einen Bärenhunger. Morgen melden wir uns dann voraussichtlich aus Lettland (noch 150 km), wenn an der Grenze alles gut geht.

02.07.2015 Velikiye Luki (RUS) - Daugavpils (LV)  303 km

 

Von unserem Supermotel aus machen wir uns heute schon gegen acht Uhr auf die Straße Richtung Lettland. Die 150 km bis zur Grenze spulen wir locker ab, bis wir ca. 6 km vor dem Schlagbaum auf die wartenden LKW stoßen. Die lassen wir rechts liegen und rollen vor bis zum ersten Kontrollposten. Wie schon bei der Einreise geht auch jetzt alles ohne Komplikationen und Schikanen innerhalb von zwei Stunden über die Bühne. Die lettischen „Kontrollorgane“ sind uns gegenüber ausgesprochen nett und zuvorkommend. So machen Grenzen Spaß! Kaum sind wir drüben, sucht sich unser Navi die schnellste Route durch das recht sehenswerte Land und schickt uns immer wieder auf Sandpisten durchs Gelände. Das wollen wir aber nicht und müssen somit nach Karte weiterfahren. Schnell merken wir, dass man die „roten“ Straßen besser nicht verlassen sollte, weil alles andere als Offroadtour enden könnte. Nach ca. 100 km wird aber selbst die Hauptstraße zur Zumutung. Ampel + 500 m Baustelle, dann 500 m schlechte Straße und wieder Ampel + 500 m Baustelle und so geht das ganze fünfzig Kilometer. Dazu kommt noch jede Menge Staub und 25°C bei strahlendem Sonnenschein. Wir sind heilfroh in Daugavpils im Hotel Dinaburg gegen 16.00 Uhr absteigen zu können. Das Haus ist richtig gut und die Leute hier sehr nett. Nach dem wir uns vom Staub befreit haben, geht es auf Erkundungstour durch die Stadt, die, neben schöner Kirchen, auch eine gut erhaltene Zitadelle zu bieten hat. Nach vier Stunden Fußmarsch (mit Abendbrotpause) kommen wir voller Eindrücke aber ziemlich geschafft wieder ins Hotel zurück. Morgen wollen wir Litauen durchfahren und uns in Polen einen Bleibe für die Nacht suchen.

 

P.S. Auch das Bistum Dresden-Meissen hat von unserer Reise erfahren.

Hier zum Link.

 

03.07.2015  Daugavpils (LV) - Suwalki (PL)  335 km

 

Der aufmerksame Tourtagebuchleser wird bemerkt haben, dass wir unsere vorgeplante Route etwas abgeändert haben. Wir haben den Trip nach Kaliningrad gestrichen, weil wir es zeitlich nicht schaffen würden. Eine nochmalige Ein- und Ausreise nach bzw. aus Russland würde uns mindestens fünf Stunden kosten. Königsberg selber sollte ebenfalls einen halben Tag in Anspruch nehmen und für die Fahrt von ca. 400 km brauchen wir ebenfalls um die sechs Stunden. Somit haben wir beschlossen den Trip zu streichen und uns mehr Zeit für Polen und die Masuren zu nehmen.

Zum heutigen Fahrtag gibt es nicht viel zu schreiben. Wir durchfahren Litauen, ein sehr schönes, sauberes und freundliches Land- soweit wir das von der Straße aus beurteilen können. Beim Mittagessen an einer Schaschlykbraterei werden wir sehr freundlich bedient und geschmeckt hat es auch noch. Das Land ist vielleicht mal eine Extratour wert. Auf guten Straßen geht es flott voran, nur die Wärme macht uns wieder zu schaffen. Bei 28 – 30°C hat Danis Motorrad ca. 30 km vorm Ziel wieder ihre Aussetzer, aber mit einigen Pausen kommen wir gegen 16.00 Uhr im tollen Hotel „Gosciniec pod Strzecha“ im polnischen Suwalki unter. In der gepflegten Anlage machen wir es uns gleich am Pool gemütlich und gehen nach gutem Abendessen zufrieden schlafen.

 

04.07.2015  Suwalki (PL) - Dobre Miasto (PL)  235 km

 

Wegen der angekündigten Wärme wollen wir heute „zeitig“ starten und gehen deshalb schon halb neun zum frühstücken. Wir wundern uns, dass wir mit die ersten sind und stellen fest, dass da wieder das „Eine-Stunde“ Problem ist. Seit wann die Uhren wieder „richtig“ gehen, wissen wir nicht genau, aber bis jetzt ist es uns noch nicht aufgefallen. Jedenfalls haben wir nun noch ein bisschen mehr Zeitvorsprung. Die Fahrt durch Nordpolen ist traumhaft. Es geht oft auf Alleenstraßen, an unzähligen Seen entlang. Der Fahrbahnbelag ist ausgesprochen gut, sogar die kleineren Straßen sind geteert. Außerdem gibt es endlich wieder Kurven, unsere Reifen sehen schon ganz eckig aus. Auch die Ortschaften können sich durchaus sehen lassen. Es gibt viele tolle Hotels, Gaststätten und Zeltplätze an der Strecke, somit sind aber natürlich auch viele Urlauber unterwegs. Gegen 13.30 Uhr kommen wir in der Kleinstadt Dobre Miasto nahe Olstin an und nehmen uns im Hotel Kopczynski ein Zimmer. Der Ort ist nicht zufällig gewählt. Im ca. fünfzehn Kilometer entfernten Dörfchen Garzewko wurde 1939 Danis Vater Leo Werner geboren. Nach dreistündiger Mittagspause machen wir uns mit einer Maschine auf Erkundungstour in die Vergangenheit. Auf dem Weg zum Geburtsort liegt das ehemalige Dorf Rosengart. Dort steht die Pfarrkirche, in der Danis Vater getauft wurde. Leider ist kein Schlüssel aufzutreiben und wir müssen uns mit der Außenbesichtigung und dem Friedhof zufrieden geben. Zu unserem Erstaunen finden wir dort tatsächlich den Grabstein von Danis UR-UR-Großeltern. Wieder auf dem Motorrad, fahren wir nun ins Nachbardorf Garzewko (Neu-Garschen), wo wir auch das Geburtshaus von Leo finden. Das Haus, wie auch das ganze Dorf, ist recht gut in Schuss. Einige alte Häuser wurden liebevoll hergerichtet, sogar das alte Gutshaus erstrahlt in neuem Glanz. Wir machen einige Fotos und rollen auf kleinsten Straßen (bzw. Feldwegen), auf Umwegen, durch die schöne Landschaft wieder zu unserem Hotel zurück. Bei einem Abendspaziergang schauen wir uns noch kurz in der Stadt um. Nun sitzen wir im hoteleigenen Restaurant, schreiben unseren Tagesbericht und warten auf das hoffentlich leckere Abendessen.

 

05.07.2015   Dobre Miasto (PL) - Lubowo (PL)  302 km

 

Das Abendessen war sehr gut und wir haben auch gut geschlafen. Um 8 Uhr gibt es Frühstück und um 9.30 Uhr sind die Mopeds bepackt und abreisebereit. Da haben wir schon 29°C im Schatten. Die Fahrstrecken sind wieder richtig schön, aber von Stunde zu Stunde wird es immer heißer und der Fahrspaß mit steigender Temperatur weniger. Wir müssen öfter Pausen machen und kommen dadurch nur mäßig voran. Gegen 16.00 Uhr, ca. 60 Kilometer vor Poznan, orten wir am Straßenrand ein Hotel und nehmen uns ein Zimmer. Wir wollen nur noch raus aus der verschwitzten Motorradkluft und ab unter die kalte Dusche. Morgen werden wir wahrscheinlich noch einmal ganz früh starten um noch vor der Mittagshitze zu Hause zu sein. Es sind noch 310 km bis Räckelwitz!

 

06.07.2015  Lubowo (PL) - Räckelwitz (D)  330 km

 

Nun war er also gekommen, der letzte Fahrtag unserer Russlandtour. Aus dem ganz frühen Start wurde nichts, denn gegen 3.00 Uhr gewitterte es. Der kräftige Regen, der dazu vom Himmel fiel, würde die ersehnte Abkühlung bringen, dachten wir uns, und deshalb schliefen wir einfach weiter. Halb acht ist dann doch schon die Nacht zu Ende und wir sitzen am gut gedeckten Frühstückstisch. Gegen 9 Uhr rollen unsere Bikes aus der Garage (das erste mal auf dieser Reise hatten die Motorräder ein Dach über dem Lenker) und es geht in Richtung Poznan. Bei 21°C macht es Spaß Motorrad zu fahren, zumal die Straßen wieder recht gut sind und der Verkehr nicht zu dicht ist. So passieren wir ca. dreizehn Uhr die Grenze zu Deutschland bei Bad Muskau. Da sind wir also wieder im Heimatland. Bei strahlendem Sonnenschein fahren wir durchs Lausitzer Braunkohlerevier bis wir in Uhyst am Bärwalder See unsere Mittagspause machen. Frisch gestärkt nehmen wir nun die letzten 30 km unter die Räder und kommen gesund und glücklich um 15 Uhr zu Hause auf dem Bäckereihof an.

Die Eindrücke, die wir auf der 6.000 km langen Reise, an 20 Tagen, in 6 Lädern gesammelt haben, werden wir in den folgenden Wochen noch ordnen und aufarbeiten müssen. Ein erstes Fazit können wir dennoch heute schon ziehen: Der weite Weg nach Marx hat sich für uns auf alle Fälle gelohnt. Wir wurden mit großer Herzlichkeit im kleinen „Katholischen Dorf“ willkommen geheißen und die zwei Tage an der Wolga wurden für uns zu Festtagen gemacht. Das werden wir nie vergessen! Danke an alle, die das möglich gemacht haben!